Ich sitze gerade im Zug und lasse mir mal wieder mein Leben durch den Kopf gehen. Ich habe einen letzten Blogeintrag von vor zwei oder drei Wochen gelesen, den ich gar nicht veröffentlicht habe. Dort ging es um meinen Abschied von meiner Schule und meinem ersten Arbeitstag und von Liebe. Kitschig klang das alles, wie immer, aber vielleicht waren die Gedanken zu privat für das Internet, oder anders privat als sonst.
Da lag so eine tiefe Traurigkeit zwischen den Zeilen und eine ungeahnte Sehnsucht nach Vergangenheit und Erinnerung, sodass ich das nicht lesen mag. Ich mag das nicht fühlen. Und doch brauche ich genau das. Vor ein paar Nächten habe ich an meinem Fenster gesessen und nachgedacht. Bevor ich dann weiter ins Bett kroch, kam ich zu dem Schluss, dass meine größte Angst im Leben die Angst vor dem Vergessen ist. Nicht nur in seiner passiven Form, sondern genauso das aktive Loslassen von den schönen großen Dingen, aber auch vielleicht den allerwichtigsten Kleinigkeiten der Welt.
Zurück zu dem Nicht-Veröffentlichtem. Ich hatte eingesehen, dass ein bestimmter Teil meines Lebens nun zu Ende ist und wollte frohen Mutes in die Zukunft ziehen. Ein neues Zuhause bauen und meinen Horizont erweitern. Die Gute Nachricht: Noch bin ich nicht gescheitert. Die Schlechte Nachricht: Ich versuche es trotzdem weiter.
Es ist wunderschön Schauspieler an einem Theater zu sein. Eigenes Geld mit seinem Lebenstraum erbeuten und etwas freier in seiner Karrierenplanung zu sein, als es einem die Schule doch nie sein ließ.
Wenn morgen das Theater abfackelt, weine ich ihm keine Träne nach.
Das ist jetzt natürlich keine Drohung. Viel zu feige bin ich doch für so ein eindeutiges Statement. Was mir gefallen würde, ich könnte dann ganz einfach, ohne viel Stress zu meinem alten Leben zurückkehren, nur um wahrscheinlich eine Woche später wieder wegzuwollen. Dann schreie ich, warum denn niemand neue Theater baut und uns arme Schauspieler so straft. Wie ein echter Künstler eben.
Ich habe mich damals nach meinem ersten halben Jahr Schule genauso gefühlt und das macht mir schon wieder die Stirn runzelig. Habe ich doch irgendwann die Schule für den Olymp und meine Heimat für den Hades gehalten.
Was ist also jetzt passiert? Mit der Schule habe ich ein Leben aufgegeben, das gar nicht fertig war, aber trotzdem schon irgendwie lief. Wie Windows Vista. Also trotzdem schon zu gebrauchen. Das neue? Ist noch genau das. Alles ist cool, und was man damit alles machen kann. Geil. Was wohl ist, wenn ich mich daran gewöhnt habe. Ich fürchte ja doch, es am Ende zu lieben begonnen zu haben.
So, und im nächsten Eintrag geht's dann auch endlich wieder um unsterbliche Liebe und dem unwiderstehlichen Verlangen danach sie nicht zu erfüllen. Peace out.

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