Ich kann nicht schlafen. Ich habe versucht meinem Kopf zu sagen, er soll still sein, aber er will nicht. Trotzdem ich hier gerade in --- einen Film drehe, habe ich doch so etwas wie "frei". Und das erste Mal seit Langem die Gelegenheit, über mein Leben nachzudenken, ohne ständig von Ort zu Ort zu rennen. Natürlich ist da auch der Dreh, aber bis auf zwei Tage letzte Woche war das eher sehr entspannend.
Ich lese deutlich mehr als sonst, das ist anders. Ich wohne gerade bei ---, meinem Freund und wir haben die letzte Woche als richtiges Paar verbracht. Wir wohnen gerade zusammen. Leben zusammen. Ich erwische mich jeden Tag dabei, an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten laut loszulachen. Ich fühle mich echt glücklich. Ich liebe ihn. Ich liebe die Freiheit, die ich gerade spüre. Und ich denke über Zukunft nach. Ich lege endlich mal dieses dumme "von Tag zu Tag"-Leben ab und grüble darüber nach, wie ich mein Leben verbessern kann.
Mit dem Fitnessstudio habe ich ja schon angefangen. Sehr gut. Sport ist sehr zentral, weil es mir Energie gibt und die brauche ich. Viel davon.
Lesen will ich mehr. Theater Heute und Spiegel. Theaterstücke. Mehr intelligentes Zeug. Ich will mit dem aktuellen Geschehen im Theater up to date bleiben. Muss. Ich will nicht in --- versauern und ich will nicht naiv bleiben. Anfängerglück hält nicht ewig.
Die Serien muss ich auch runterschrauben. Das entwickelt sich da ja schon ganz gut. So viel ist das ja gar nicht mehr. Auch die Regel, nur eine Sendung am Tag zu gucken - maximal zwei, kann mir da sehr helfen. Gefährlich ist da, dass da jetzt viele coole Videospiele auf mich zukommen. Vielleicht kann ich ja den Sonntag zum Endlosspaßtag erklären. Auf jeden Fall sollte ich zumindest einen Tag in der Woche haben, wo ich tun und lassen kann, was ich will. Essen, Trinken, Spielen, Gucken, Masturbieren. Einen Tag nur für mich - ohne Karriere.
Wenn ich wieder in --- bin, installiere ich --- und fange an mir selbst ein Demoband zu schneiden. Ich will in den --- Tatort. Punkt. Ich will Drehtage und das ist harte Arbeit. Ich will eine Agentur in Berlin. Und zwar eine gute. Also: Demoband. Und anfangen, Tatort zu gucken. Ich will ins Deutsche Fernsehen? Dann muss ich wissen, wer es macht. Caster und Regisseure rausschreiben und so'n Zeug.
Diplomarbeit schreiben! Und --- einen Brief! Vielleicht anderen Leuten auch? Briefe sind cool, Mann!
Du wolltest Klavierspielen lernen. Vergiss das nicht!
Ich denke, ich habe da endlich einen Schleier abgelegt. Die Schule hat es doch geschafft mich einzulullen. Da studiert man so munter vier Jahre vor sich hin und fühlt sich wohl im geschützten Raum. Jetzt muss ich aber plötzlich auf eigenen Beinen stehen und ich denke mir: "Hey, da hat mich niemand drauf vorbereitet. Schweine." Aber das kann ja gar niemand außer mir selbst. Ich frage mich, worauf ich eigentlich gewartet habe?! Ich habe immer auf den Tag gewartet, an dem mein Leben beginnt. Es ist da. Und es beginnt, wenn ich es sage. Aber ich habe mich zu gern versteckt. Das muss ein Ende haben.
Ich sperre mich ja gern gegen Disziplin und Regeln, aber ich bin dadurch in den letzten Jahren im Gegenteil gelandet. Chaos regiert meine Welt. Ich weiß, dass ich mal gesagt habe, dass das Chaos mich vielleicht eines Tages vor mir selbst rettet. Vielleicht bin ich an diesem Punkt vorbei. Ich habe --- gesagt, dass ich ihn Liebe, bin derb auf's Maul geflogen und habe dann endlich einen Teil meines Lebens hinter mir gelassen. Die Scherben sind zerflossen. Ich bin an der nächsten Haltestelle und dort scheint wieder die Sonne. Metaphermodus bitte wieder aus.
Wie verbleibe ich also diese Nacht? Schön sich Pläne für die Realität zu machen, wenn man gerade Urlaub vom Leben hat. Halte ich sie dann auch ein, wenn ich wieder in --- bin? Wer kann mich da zwingen, außer mir selbst? --- vs. ---. Er ist wohl der einzige. Also los. Rette mich. Rette dich.
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